Zu Besuch in der Hausarzt-Detektei – Das große Praxistour-Finale
Dr. Jonas Hofmann-Eifler (rechts) und Dr. Jens Gieger (links) im Gespräch
Shoot 10: Zu Besuch in der Hausarzt-Detektei – Das große Praxistour-Finale
Rheinzabern, 23.01.2026
Eva und ich treffen uns in der Praxisgemeinschaft Rheinzabern und können kaum glauben, dass wir heute schon den zehnten Praxistour-Shoot drehen. Nach über einem Jahr, seit unserem ersten Besuch in Bad Bergzabern, ist dies das letzte Videointerview. Es ist das Ende eines echten Herzensprojekts, das uns so viele Einblicke in die Praxen der Südpfalzregion ermöglicht hat.
Wiedersehen in Rheinzabern
Unseren Aufnahmeort heute kenne ich gut: Drei Monate lang bin ich im letzten Herbst hierher zur Arbeit geradelt und absolvierte als Medizinstudentin den letzten Teil meines Praktischen Jahres. Heute betrete ich das freistehende Gebäude zum ersten Mal als Jungärztin. Das Gefühl, zum riesigen Empfangstresen zu blicken und die mir bekannten MFAs zu grüßen, ist jedenfalls noch sehr vertraut.
In der Praxisgemeinschaft Rheinzabern herrscht meistens reges Treiben – das kenne ich ebenfalls noch aus dem PJ. Insgesamt sieben ÄrztInnen versorgen hier die Einwohner der kleinen Gemeinde, bestehend aus den Praxisinhabern und Allgemeinmedizinern Dr. Jonas Hofmann-Eifler und Dr. Joachim Bürstner sowie dem Diabetologen Dr. Nils Bollmann. Hinzu kommen vier Ärztinnen in Anstellung und, um den geschäftigen Arbeitsalltag der großen Praxis zu stemmen, 19 MFAs.
Medizinisch deckt das Team ein sehr breites Versorgungsspektrum ab: Dazu gehören eine Infektsprechstunde, Gesundheits-Check-ups, Krebsvorsorgeuntersuchungen, psychosomatische Versorgung, Haus- und Altenheimbesuche sowie Reisemedizin. Das diagnostische Angebot umfasst Belastungs- und Langzeit-EKGs, Langzeitblutdruckmessungen, Lungenfunktionsuntersuchungen, DMPs sowie Ultraschalluntersuchungen – vom Bauch über die Halsschlagadern bis zur Schilddrüse. Durch den Schwerpunkt von Dr. Bollmann werden außerdem Menschen mit Diabetes mellitus Typ 1, 2 sowie Schwangerschaftsdiabetes betreut und können in der Praxis sogar an strukturierten Diabetesschulungen teilnehmen.
Vom Empfang mit dem MFA-Stützpunkt, wo die letzten PatientInnen noch zu Dr. Bürstner in die Sprechstunde möchten oder Folgerezepte abholen, gehen wir zu Jonas Hofmann-Eifler ins Arztzimmer. Dort hängen zahlreiche Postkarten aus aller Welt, passend zur Spezialisierung Reisemedizin und Gelbfieberimpfstelle, die der junge Hausarzt hier aufgebaut hat. Auf dem Regal steht außerdem ein lila Kuscheltier, welches ich im ersten Moment nicht so richtig bestimmen kann. Auf Nachfrage erfahre ich, dass es sich um einen Zesel handelt – halb Zebra, halb Esel. Dieses Plüschtier, nach der Figur aus der Buchreihe „Grimm und Möhrchen“, dem liebsten Kinderbuch von Jonas’ Tochter, nutzt der Allgemeinmediziner vor allem, um Kindern im Sprechzimmer die Angst vor ihm als Arzt zu nehmen. Gerade bei Impfungen sei der Zesel eine große Hilfe.
Interview mit zwei jungen HausärztInnen in Weiterbildung
Eva und ich verkabeln für unser erstes Gespräch und Doppelinterview die beiden jungen WeiterbildungsassistentInnen Cornelia Horsch und Dr. Jens Gieger. Fast hätten wir uns noch über die neuesten Privatthemen verquatscht, bevor wir endlich das Interview starten. Am Freitagnachmittag sind alle ausgelassen, aber es herrscht auch ein bisschen Zeitdruck und alle sehnen sich nach ihrer Familie und der Wintersonne draußen.
Warum Allgemeinmedizin alles andere als langweilig ist und auch für junge ÄrztInnen attraktiv!
Auf die Frage, was die Beiden an der großen Praxisgemeinschaft besonders schätzen, antwortet Jens prompt: „Es ist mega spannend – wir holen hier als HausärztInnen nämlich richtig viel aus den Leuten. Durch die enorme diagnostische Bandbreite und die vielen hier tätigen ÄrztInnen mit unterschiedlichsten Schwerpunkten und Erfahrungen diagnostiziere man in Rheinzabern zum Teil richtig seltene Erkrankungen, was einen Mediziner dann selbst zum Staunen brächte.“
Dieses „Detektivspielen“ sei sonst eher untypisch für die Hausarztmedizin, die häufig noch den Ruf habe, vor allem Routinechecks anzubieten, Erstkontakte abzuarbeiten und lediglich Überweisungen an fachärztliche KollegInnen zu schreiben. Jens und Cornelia hätten vor ihrer Rotation in der ambulanten Medizin niemals gedacht, wie spannend, vielseitig und tiefgehend Diagnostik und Therapie außerhalb der Klinik sein können.
Gutes Arbeitsumfeld – gute Arbeit!
Cornelia betont, dass es ihr gerade am Anfang sehr viel Sicherheit gegeben habe, in Rheinzabern so viel Kollegialität zu erleben. Es sei hier ganz selbstverständlich, bei Unsicherheit in der Behandlung einer PatientIn während der Sprechstunde einfach an der Nachbartür anzuklopfen und nach Rat zu fragen. Das gute Arbeitsklima werde in der Praxisgemeinschaft großgeschrieben. Immerhin verbringe das Team meist den größten Teil des Tages bei der Arbeit miteinander. Durch diese enge Zusammenarbeit wachse man schon wie eine kleine Familie zusammen.
Jens erzählt, dass hier wirklich jede und jeder gern zur Arbeit komme. Für ihn und Cornelia sei es besonders motivierend, dass die Praxis stark auf die Weiterbildung junger ÄrztInnen setze. In Rheinzabern seien zwei Jahre Weiterbildung möglich, und zudem würden Studierende im Blockpraktikum oder im Praktischen Jahr ausgebildet. „Sie bringen frischen Wind und neue Ideen in unsere Landarztpraxis.“
Der Weg als ÄrztIn in Weiterbildung zu den SüdpfalzDOCs
Im weiteren Interview frage ich Cornelia und Jens, wie sie zum Netzwerk der SüdpfalzDOCs gefunden haben. Daraufhin erzählen sie Eva und mir ihre Geschichten. So unterschiedlich diese auch sind, passen sie wieder einmal sehr gut zu unserem Verein und unterstreichen die persönliche Ebene, auf der ÄrztInnen hier zusammengebracht werden.
Jens’ Augen leuchten voller Begeisterung und Tatendrang, als er sagt: „Seit der ersten Stunde war ich Teil dieses kreativen Haufens von KollegInnen mit Visionen.“ Über eine Anzeige im Pfälzer Ärzteblatt lernte der gebürtige Pfälzer den Vorstand Dr. Jonas Hofmann-Eifler bereits beim ersten Stammtisch 2019 kennen, war sofort Feuer und Flamme für die Ideen und die Energie der jungen HausärztInnen und ist somit Gründungsmitglied der SüdpfalzDOCs.
Cornelia hingegen hörte zum ersten Mal ganz zufällig von den SüdpfalzDOCs, als Jonas auf einem Pfälzer Hausärztetreffen einen Vortrag hielt. „Jonas sei der erste Hausarzt gewesen, der jung, modern und mit so viel positiver Energie über den Beruf der Hausärztin beziehungsweise des Hausarztes referiert habe“, erzählt sie. Ein paar Jahre später fand Cornelia über den E-Mail-Verteiler der SüdpfalzDOCs sogar ihr heutiges Wohnhaus und schließlich auch ihre Stelle als Weiterbildungsassistentin in der Praxis in Rheinzabern. „Ich verdanke diesem Netzwerk echt viel: Job UND Haus über die SüdpfalzDOCs, das ist schon etwas!“, lacht sie.
Interview mit Dr. Jonas Hofmann-Eifler – Visionär und Gründer der SüdpfalzDOCs
Nachdem Eva und ich Cornelia und Jens ausgequetscht haben und an diesem Nachmittag auch schon viel lachen mussten, sitzt schließlich Jonas selbst vor uns. Wie eigentlich immer lächelt er aufmerksam, so wie er auch jeder PatientIn in der Sprechstunde zuhört, während Eva und ich ihm die kurze Einweisung für unser Videointerview geben. Es ist allerdings das erste Mal, dass ich Jonas auf der gegenüberliegenden Seite seines Schreibtischs sitzen sehe, wo sich ihm sonst seine PatientInnen anvertrauen.
Dr. Jonas Hofmann-Eifler absolvierte 2017 seine Facharztweiterbildung in Rheinzabern und ist seit 2020 selbstständig mit der Praxis. Ziemlich besonders: als Jonas vor ca. 6 Jahren die Praxis übernahm, war er mit 34 Jahren damals der jüngste niedergelassene Hausarzt im Bundesland Rheinland-Pfalz! Als „neigeschmeckter“ Wahlpfälzer, der gebürtig aus NRW stammt, interessiert mich zunächst, was er als Hausarzt in dieser Region schätzt. Jonas lächelt: „Ganz einfach: Hier verbinde ich den schönsten Beruf der Welt mit der schönsten Region Deutschlands.“
Jonas als „PatientInnen-Detektiv“
Den Beruf des Allgemeinmediziners beschreibt Jonas auch mit dem Begriff des „Patientinnen-Detektivs“. Vom ersten Kontakt an, egal ob AkutpatientIn oder chronisch erkrankt, ist er gemeinsam mit seinen KollegInnen erste Anlaufstelle, auf der Suche nach Ursachen und Diagnosen der Beschwerden, und stets der Erste, der zum Telefon greift, um bei fachärztlichen KollegInnen Rat einzuholen. Wichtig sei ihm außerdem, seine PatientInnen über viele Jahre hinweg als Begleiter mit einem guten Gespür für ihre Bedürfnisse zu begleiten.
In seiner Karriere als Hausarzt für alle Themen habe es in all den Jahren keinen einzigen langweiligen Tag gegeben. Zu Beginn eines jeden Sprechstundenmorgens wisse man nie, was der Tag bringe: Kleinchirurgie, einen akut zu versorgenden Herzinfarkt oder die dekompensierte Herzinsuffizienz, aber auch eine akute Lebenskrise mit Bedarf zur psychologischen Intervention ergibt sich oft spontan aus einem Gespräch mit Jonas.
Die Triebfeder der SüdpfalzDOCs – Zusammenhalt
Jonas liebt es, nah an den Menschen zu sein, ihre Sorgen zu hören und ihnen zuzuhören. Mit einem guten Hausarzt an der Seite sollen sich seine PatientInnen nie allein im Leben fühlen, sondern in ihm immer einen vertrauten Ansprechpartner finden.
Dieser Anspruch an sich selbst motivierte Jonas 2017 dazu, die SüdpfalzDOCs zu gründen – um als Allgemeinmediziner in der ländlichen Südpfalz nicht allein zu sein. Wir beschließen unser Interview mit kurzen Blitzlichtfragen zu den Kernthemen von Jonas für unser Ärztenetz.
Seine drei wichtigsten Gedanken:
Jeden Tag neue KollegInnen für die Allgemeinmedizin begeistern
Fortbildung und Austausch auf Augenhöhe ermöglichen
Das alles selbstverständlich pharmafrei!
Dass inzwischen über 250 KollegInnen Teil des Netzwerks sind und mehr als 50 Stellen vermittelt wurden, spricht für Jonas’ Vision.
– Pauline Imme
(Alle Fotos: privat)
Ich bin Pauline – Ärztin in Weiterbildung, wissenschaftliche Mitarbeiterin der SüdpfalzDOCs und leidenschaftliche Pfalz-Wanderin. Dieses Jahr sind unsere Videografin Eva Korn mit ihrer Kamera, meinem blauen Fahrrad und einer großen Portion Neugier quer durch die Region unterwegs, um Arztpraxen der SüdpfalzDOCs zu besuchen. Dabei fangen wir nicht nur die Arbeitsumgebung unserer Mitglieder ein, sondern auch ihre Geschichten, Ideen und Erfahrungen als Teil unseres Netzwerks.
Pauline Imme (links) und Eva Korn (rechts)