Mein PJ Quartal bei den SüdpfalzDOCs 2025
Erfahrungsbericht von Pauline Imme
Von der Klinik in die Südpfalz: Allgemeinmedizin hautnah, Teamwork und regionale Lebensfreude
Die Primärversorgung in einem jungen Ärztenetz von A bis Z kennenlernen: Diese Chance hatte ich im Rahmen meines letzten PJ-Quartals bei den SüdpfalzDOCs. In der großen Praxisgemeinschaft von Dr. Hofmann-Eifler, Dr. Bürstner, Dr. Bollmann in Rheinzabern verbrachte ich drei Monate und konnte das Wissen, das ich mir in den vorherigen klinischen Rotationen angeeignet hatte, vertiefen und vor allem täglich praktisch anwenden.
Teamarbeit und Eigenverantwortung bei der Ausbildung in der Hausarztpraxis
Vor meinem Einsatz in der Hausarztpraxis hätte ich nicht gedacht, dass ich in einem ambulanten Quartal in so kurzer Zeit so viel mitnehmen kann. Vom klassischen Sprechstundenalltag über Diagnostik wie Ultraschall und EKG bis hin zu Reisemedizin, Hausbesuchen, psychosomatischer Grundversorgung, der Betreuung chronisch Kranker oder kleinen chirurgischen Eingriffen – jeder Tag war ein kleiner Rundumschlag durch die hausärztliche Medizin. Das Spannende dabei: Man weiß morgens nie, was der Tag bringt. Selbst außerhalb der Akutsprechstunde kommt es immer wieder zu spontanen Notfällen, unerwartet langen Gesprächen oder völlig anderen Entwicklungen als geplant. Selbst ein standardisierter Routine-Check-up kann sich zu einem überraschend vielschichtigen Termin entwickeln.
Auf Hausbesuch.
Auch arbeitet man täglich interdisziplinär mit vielen verschiedenen Berufsgruppen zusammen und profitiert vom regen Austausch mit MFAs, jungen Weiterbildungsassistentinnen und erfahrenen Fachärztinnen. Für mich war es als PJlerin besonders wertvoll, dass ich in dieser Teamstruktur von Beginn an gleichberechtigt eingebunden war und eigenverantwortlich sowie selbstständig Patient*innen betreuen durfte. Mein klinisch-strukturiertes Denken wurde dadurch enorm geschult. Jeder neue Patientenkontakt erforderte ein eigenes Eindenken und Überlegungen – und hat mich deutlich mehr weitergebracht als viele andere Praktika, in denen man meist nur zuschaut oder punktuell assistiert, aber selten einen Fall von Anfang bis Ende selbst begleitet.
Bei den SüdpfalzDOCs konnte ich vom ersten Tag an selbstständig Anamnesen erheben, Untersuchungen durchführen, mir Gedanken über weitere Diagnostik, Laboranforderungen, Überweisungen und therapeutische Schritte machen. Anschließend stellte ich die Patientinnen meinen betreuenden Ärztinnen vor und erhielt im direkten 1:1-Supervisionsverhältnis ausführliches Feedback. Genau dieser enge Austausch hebt die PJ-Erfahrung in der Niederlassung für mich deutlich von allen klinischen Erfahrungen ab, die ich bisher gemacht habe.
In der Praxis wurde außerdem sehr viel Wert auf positives Feedback und ein offenes Lernklima gelegt. Es war ausdrücklich erwünscht, dass ich nicht nur angeleitet werde, sondern auch selbst Rückmeldung geben darf – sowohl zu medizinischen als auch zu organisatorischen Abläufen. Dieses Arbeiten auf Augenhöhe habe ich sehr geschätzt. Ich glaube, dass ich mich dadurch viel besser entfalten konnte und mit deutlich mehr Motivation und Mut praktische Fähigkeiten erlernt habe, die ich in einer strikteren Hierarchie nicht in dieser Form entwickelt hätte.
Ein Blick über den Tellerrand: Hospitationen, Fortbildungen und Netzwerk
Neben dem PJ begibt sich Pauline Imme als wissenschaftliche Mitarbeiterin auf die SüdpfalzDOCs Praxis-Tour. Hier bei Dr. Christof Heun-Letsch in Ludwigshafen Niederfeld.
Während meiner drei Monate bei den SüdpfalzDOCs bin ich nicht nur viel selbstständiger im klinischen Arbeiten geworden, sondern habe auch unglaublich vom großen Netzwerk profitiert. Ich durfte mehrere Tage in verschiedenen Facharztpraxen wie Kardiologie, HNO, Gynäkologie und Gastroenterologie hospitieren. Ein weiteres Plus des Ärztenetzes: Studierende können am umfangreichen Fortbildungsprogramm der SüdpfalzDOCs teilnehmen. Nach Feierabend, bei gutem Essen und in entspannter Atmosphäre, werden dort spannende Vorträge angeboten. Diese Abende sind nicht nur fachlich bereichernd, sondern bieten auch die ideale Gelegenheit, sich mit anderen Mitgliedern auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen.
Bei diesen Treffen konnte ich außerdem viel über das Thema Niederlassung lernen. Nach meiner Zeit bei den SüdpfalzDOCs hatte ich ein deutlich besseres Verständnis dafür, was einen nach den Jahren in der Klinik erwarten könnte – von Personal- und Praxisorganisation über Qualitätsmanagement und Digitalisierung bis hin zu Abrechnung, KV-Strukturen, therapeutischen Richtlinien und der Zusammenarbeit mit Fachärzt*innen, Kliniken und Pflege. Das hat mir viele anfängliche Unsicherheiten in Bezug auf meine berufliche Zukunft genommen.
Ein bisschen Pfälzer Lebensgefühl
Und dann noch eine kleine Ode an die Region, in der ich mein PJ absolvieren durfte: Ich habe es unglaublich genossen, im Herbst in der Südpfalz zu sein – wenn die Weinreben tragen, in jedem Dorf am Wochenende Feste gefeiert werden und die Herbstsonne scheint, während man mit dem Fahrrad von der Praxis nach Hause fährt. Ich habe viele schöne Wanderungen und Radtouren im Pfälzerwald gemacht und war trotzdem gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden, wenn Termine in Mannheim oder Heidelberg anstanden. Es war eine angenehme Abwechslung zur Großstadt, die Nachbarn zu kennen, Patient*innen beim Joggen im Wald zu begegnen oder Hausbesuche quasi in der eigenen Wohnsiedlung zu machen.
Besonders hervorheben möchte ich noch, dass die SüdpfalzDOCs mir für das PJ-Quartal eine tolle Einliegerwohnung vermittelt und sogar einen Teil der Wohnkosten übernommen haben. Das hat mir viel Zeit bei der Wohnungssuche erspart. Dank meiner sehr netten Vermieter:innen aus dem Netzwerk und meiner Wohnlage direkt am Bienwald habe ich mich sofort sehr wohl in der Südpfalz gefühlt. Außerdem gab es eine schöne Terrasse für den Frühherbst und einen Kamin für die kühleren Tage – was will man mehr? – Ausziehen wollte ich jedenfalls nicht mehr.
Fazit
Zusammenfassend kann ich sagen: Die Erfahrung in der Allgemeinmedizin und das PJ-Quartal bei den SüdpfalzDOCs haben alle meine Erwartungen weit übertroffen. Als ich dort gestartet bin, hatte ich ursprünglich sogar einen ganz anderen Facharztwunsch für die Weiterbildung. Mittlerweile kann ich mir aber gut vorstellen, dass die Allgemeinmedizin in der schönen Südpfalz auch eine attraktive Zukunftsperspektive ist.
Mein persönlicher Schlüsselmoment aus dieser Zeit: Am Ende eines intensiven Freitags gab mir mein Chef ein High Five und sagte: „Mega krass, was wir heute alles erlebt haben – und es hat so viel Spaß gemacht mit dir!“ Da hat man doch Lust, am nächsten Montag wiederzukommen.
Fotos: privat
– Pauline Alma Imme
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